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Leben im Rollstuhl - „Rollstuhltraining“ mit dem Deutschen Behinderten- und Rehabilitationssportverband

28.01.2019 | Von: Anne Müller

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass das Rollstuhlfahren auch bei nichteingeschränkten Kindern und Jugendlichen zunehmend beliebter wird. Die Öffnung der Regelschulen für Schülerinnen und Schüler mit körperlichen und auch geistigen Einschränkungen brachte unter anderem auch Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer an die Schulen.

 

Aber wie fühlt es sich an, im Rollstuhl zu sitzen und was ist überhaupt möglich, wenn man sich „rollend“ durch die Welt bewegt? Um ein besseres Verständnis bei den Schülerinnen und Schülern zu erzielen, konnten sich die Lernenden der Berufsfachschule II und der Höheren Berufsfachschule am Donnerstag, dem 24.01.2019 selbst ein Bild machen und sich spielerisch mit dem Aspekt „Rollstuhl“ auseinandersetzen.  Herr Holzem, als durchführender Referent des Behinderten- und Rehabilitationssportverband, berichtete zunächst von Alltagssituationen (z. B. dem Ein- und Austeigen aus dem PKW, Autofahren als Querschnittsgelähmter, Toilettengänge, etc.) und leitete dann in eine offene Fragerunde über. Er berichtete ebenfalls von eigenen Erlebnissen vor und nach seinem Unfall. Er selbst hatte 1996 einen Arbeitsunfall als Forstarbeiter und erhielt die Diagnose Querschnittslähmung von der Brust abwärts. Seitdem ist er auf den Rollstuhl angewiesen.   Auch die Zeit seiner Rehabilitation (nach einem 13-monatigem Krankenhausaufenthalt) wurde thematisiert. Dabei war keine Frage tabu, auch persönliche Fragen wurden humorvoll und geduldig beantwortet. Seit 1999 ist Herr Holzem erfolgreicher Rollstuhl-Rugby-Spieler sowie erfolgreicher Paralympicsportler und Kaptitän der deutschen Rugby-Nationalmannschaft.

Beliebt war vor allem das Rollstuhlfahren durch verschiedene Slalom-Hindernis-Kurse mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und Anforderungsprofilen. Dabei wurde unter anderem Alltagsfertigkeit und Geschicklichkeit von den Lernenden abverlangt. Der Spaß am gemeinsamen Erlebnis kam jedoch auch nicht zu kurz. So wurden auch Kunststücke geübt und alle Fertigkeiten des Rollstuhlfahrens (z. B. Kippen, Balancieren, Hindernisse überwinden, …) ausprobiert und trainiert. Wichtig war es ebenfalls, Ängste und Unsicherheiten bei den Schülerinnen und Schülern abzubauen.  

 

Rollstuhlsport an der Schule öffnet eine neue Lebenswirklichkeit, die die Lernenden Menschen mit Einschränkungen anders, vor allem aber mit Respekt wahrnehmen lässt - Begegnungen und Kontakte werden deutlich erleichtert. 

 

Der Tag hinterließ bei allen Beteiligten ein sehr positives Bewusstsein. Wir bedanken uns bei Herrn Holzem und Herrn Lechtenfeld für die Organisation und die Durchführung.